Komm in meine Arme!

Von Przemysław Wechterowicz und Emilia Dziubak

http://www.fischerverlage.de/buch/komm_in_meine_arme/9783737351263
Bild: FISCHER Sauerländer

Es ist wahrscheinlich nicht so eine gute Idee, einen neuen Blog zu beginnen, während man mitten in einem Umzug steckt und gerade eine neue Arbeitsstelle angetreten hat. Und dann ist auch noch meine Schwiegermutter aus Chicago angekommen. Es ist sehr schön, dass sie uns besuchen und mit uns den Geburtstag ihrer Enkelin feiern konnte. Wir konnten so endlich auch mal wieder Fortschritte beim Streichen machen. Denn das ist gar nicht so leicht mit einem kleinen Kind, überall am Herumrennen und Treppensteigen.

Seit Anfang März bin ich unter der Woche jeden Tag und jeden zweiten Samstag  in einer schönen und großen Universitätsbuchhandlung. Ich mache dort eine Ausbildung zum Buchhändler. Die ersten beiden Wochen waren sehr aufregend und ich weiß bereits, dass ich eine sehr gute Entscheidung getroffen habe. Die Arbeit macht viel Spaß und ist sehr abwechslungsreich und ich fühle mich sehr wohl in meiner Buchhandlung. Mittlerweile bin ich mit Laden und der Software  vertraut genug um nicht regelmäßig in Schweiß auszubrechen, wenn ein Kunde kommt oder das Telefon klingelt. Ich bin vorne im Laden, bei den Geisteswissenschaften. Hier kenne ich mich natürlich auch ganz gut aus, nicht zu lange ist es her, als ich selber solche Bücher für mein Studium kaufen musste. Hier muss man sich jeden Tag mit interessanten, lustigen, kuriosen, anstrengenden, arroganten und schlicht verrückten Kunden auseinandersetzen – man lernt viel über Menschen hier. Ich bin gerne hier vorne, freue mich aber auch schon über die Arbeit im Büro.

Für meine Tochter war die Umstellung von Papa, der Student mit (fast) unbegrenzter Zeit, zu Papa, Auszubildender mit 40-Stunden-Woche,  nicht ganz einfach. Wenn ich morgens los muss, sind wir beide traurig und sie ist ganz schön oft ziemlich sauer mit mir – verständlich! Zum Glück muss ich morgens erst um 10 bzw. 9.45 Uhr im Laden sein. Die Morgen und Abende mit meiner Tochter genieße ich dafür um so mehr, genauso wie die Wochenenden. Die ersten Tage fragte meine Tochter immer welches Buch ich gekauft hätte, schließlich erzählte ich ihr, dass ich den Tag über im Buchladen war. Die Möglichkeit in einem Buchladen zu sein und nur Bücher zu verkaufen, statt auch welche kaufen schien ihr ziemlich absurd zu sein. Damit liegt sie auch nicht so falsch, ich muss sehr aufpassen nicht mein ganzes Monatsgehalt in Büchern anzulegen. Ich wollte aber zumindest ein Kinderbuch kaufen und mir und meiner Tochter ein schönes Geschenk zu meiner neuen Stelle zu machen.  Eine Kinderbuchabteilung haben wir leider nicht, aber ich bestellte ein Buch, das ich selber schon in einem Laden gesehen und nur Gutes darüber gehört hatte. Das dieses Buch aus Polen kommt – wo ich ein großartigen Jahr erlebte und meine Frau kennenlernte – war dazu ein großes Plus.

Komm in meine Arme! ist ein Bilderbuch aus Polen. Im Original heist es Proszę Mnie Przytulić! und ist 2013 auf Deutsch in einer Übersetzung von Esther Kinsky bei FISCHER Sauerländer erschienen. Die Geschichte ist von Przemysław Wechterowicz einem bekannten polnischem Bilderbuch-, Theater -und Comicautor. Die Illustrationen kommen von Emilia Dziubak.

Eines  Morgens möchte Papa Bär dem kleinen Bären das Rezept für einen schönen Tag zeigen: Umarmungen geben! Sie legen gleich los und besuchen Nachbar Bieber. Dieser hat viel zu Arbeiten und eigentlich keine Zeit  für Umarmungen. Doch dann lässt er sich doch überzeugen und denkt schließlich noch beim Schlafgehen glücklich an dieses unerwartete Erlebnis zurück. Den beiden Bären macht dies so viel Spaß, dass nach und nach alle Tiere (und Menschen) des Waldes zu inrer Umarmung kommen. Die Bären erleben völlig unterschiedliche Reaktionen. Doch egal ob Frettchen, Hasen, Elch, Jäger oder Wolf (und noch einige mehr), am Ende hat die Umarmung allen zu einem glücklicheren Tag verholfen. Ganz zum Schluss, auf dem Weg nach Hause, fällt dem kleinen Bär überraschend auf, dass sie eine ganz wichtige Umarmung vergessen haben: und so umarmen sich Papa Bär und der kleine Bär ganz fest. Die Illustrationen von Emilia Dziubak passen sehr gut zu dieser süßen Geschichte. Besonders die ganzseitigen Bilder, am Anfang jeder Begegnung, sind toll. Eingerahmt immer von verschiedenen Blätter- und Blütenmustern (was für mich irgendwie sehr polnisch wirkt).

Wir haben zu viel Distanz zu unseren Mitmenschen in der modernen Gesellschaft und es würde uns und unserer Umwelt Gut tun Interesse und Mitgefühl zu zeigen. Warum nicht einfach mal eine überraschende Geste an einen uns Fremden?! Die Botschaft von Komm in meine Arme ist eine sehr schöne und wichtige. Sie richtet sich aber in erster Linie an uns Erwachsene. Schließlich zeigen Kinder genau diese Offenheit und Interesse gegenüber ihrer Umwelt. Ich befürchte das macht das Buch zwar zu einem meiner Lieblingsbücher, aber nicht unbedingt zu einem meiner Tochter. Sie mag die schönen Bilder und auch einiger der auch sehr witzigen Begegnungen sehr gerne (etwa die mit dem Wolf, der doch eigentlich das Rotkäppchen fressen will, dies aber nach der Umarmung völlig vergisst), insgesamt ist sie aber nicht ganz so begeistert wie bei anderen Büchern. Trotzdem schaut sie sich das Buch gerne mit mir an und lässt sich auch ein bisschen anstecken und verlangt am Ende auch einen großen “Knuddel” – und das ist doch was!

Papa-Punkte:   *****

Tochter-Punkte: ****

 

Komm in meine Arme!

Przemysław Wechterowicz und Emilia Dziubak
aus dem Polnischen von Esther Kinsky
FISCHER Sauerländer (2013)

ISBN 978-3-7373-5126-3

Altersempfehlung: ab 3

http://www.fischerverlage.de

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